SHARE Share Button Share Button SHARE

Neues aus der Musikwerkstatt von Liedermacher Stefan Heimoz

KULTUR Hunde und Jammertanten, der gesunde Menschenverstand und die Schildkröte Kassiopeia, Facebook und ein Schweizer Puzzle: So bunt gemischt sind die Themen auf der neuen CD des Reichenbacher Liedermachers Stefan Heimoz.

ERICH KOBEL

«Wohnt im Himmel dr Himmelmaa?», «Wo wachse eigentlech d Teigware?», «Hets de ganz vil Blueme im Chindergarte? », «Isch dr Niese dr höchscht Bärg uf dr Ärde?»: Kinderfragen, aus denen Stefan Heimoz seinerzeit mehrere «Frutigländer»-Kolumnen gemacht hat – und nun ein Lied (untermalt mit einem wunderschönen Glockenspiel). Dass der 46-Jährige aus Scharnachtal die Fragen seiner Kinder vertont hat, ist typisch. Seit jeher erzählt er Geschichten, die er im Alltag aufgelesen hat. «Ein Stück weit gehe ich tatsächlich als Liedermacher durchs Leben», bestätigt Heimoz, «mit offenen Sinnen und immer bereit, mich inspirieren zu lassen.» Fatal ist allerdings, dass ihn die Inspiration zuweilen in einem Moment überfällt, da er sie gerade nicht festhalten kann, weil er kein Schreibzeug dabei hat. Einen patenten Ausweg bietet da die «Eselsbrügg», also ein Stichwort oder ein Bild, das die Idee konservieren hilft. Vielleicht aus Dankbarkeit hat Stefan Heimoz der «Eselsbrügg» den Titelsong der neuen (seiner fünften) CD gewidmet. Ein Grautier für das Cover konnte aus eigenen Beständen rekrutiert werden, gehört doch zur Familie Stefan, Christine, Florian, Benjamin und Laura Heimoz auch das Eselspaar Luna und Nepomuk. Überhaupt mags der Troubadour ein bisschen tierisch, treten doch auf dem neuen Album auch die eigenwillige Schildkröte Kassiopeia und eine furchterregende Dogge auf, die sich allerdings bei näherem Hinsehen als putziger Chihuahua entpuppt. Beim Joggen, oft an der Seite des Reichenbacher Pfarrers Felix Müller, hat der einst leidenschaftliche und erfolgreiche OL-Läufer halt auch schon mal um die Unversehrtheit seiner Waden bangen müssen.

Eine Liebeserklärung

Stefan Heimoz, in jungen Jahren Journalist, seit 1997 Oberstufenlehrer in Reichenbach und seit 15 Jahren Liedermacher, ist ein aufmerksamer Beobachter gesellschaftlicher und politischer Vorgänge. Das zeigt sich im Lied über die notorischen Jammertanten (es können durchaus auch Jammeronkel sein) und in der Ode an den GMV («Dr Gsund Mönsche Verstand»), den er als Kontrapunkt zur engstirnigen Parteipolitik sieht. «Mich stört, dass heutzutage das gehässige Gegeneinander verbreiteter ist als das konstruktive Miteinander», sagt der Musiker. Er selber lässt in etlichen Liedern Kritik anklingen, hält den Zuhörern (und sich selber) auch mal den Spiegel vor, aber nie in einer überheblichen oder verletzenden Weise, sondern immer mit gütiger Nachsicht und einem schelmischen Augenzwinkern. Das kommt auch im Lied zum Ausdruck, das sich um die Medien- und Informatikgesellschaft, um Facebook und Twitter dreht, aus dem man aber auch eine Liebeserklärung Stefan Heimoz’ an seine «Chrige» herauslesen kann: «I bruche dyni Rueh, kes Handy wo tschäderet, eifach e chli sy, niemer wo schnäderet. I bruche di, my Frou, chum gib mer dyni Hand, u mir gniesse z zwöit dä Sunneuntergang.» Bemerkenswert ist auch das Lied «D Büle», ein Plädoyer für Mut, Offenheit und Zivilcourage. «S isch gfährlech, dr Chopf zum Fänschter use z ha, wüu we me ne z wyt voruse würd ha, chönnt me ne halt o aschla. Aber hätti dr Chopf nie zum Fänschter use gha, de hätti nie vil gseh u wär dinne blybe sta, wüsst nid emal, was es dusse alls hätt gha. Drum isch es gschyder, dr Chopf zum Fänschter use z ha – o weni itz e Büle ha.» In seiner Art steht dieses Kleinod in der Tradition Mani Matters, auch wenn sich Stefan Heimoz nie mit dem Stammvater der hiesigen Troubadours vergleichen würde.

Eine bunte Palette

Mit heutigen Liedermachern arbeitet Stefan Heimoz immer mal wieder zusammen, so mit Dänu Brüggemann und Oli Kehrli. Mit Mike Sutter und dem Zürcher Zeichner Alex Macartney hat er «Ds Glöönli uf em Burehof» (Kinderbuch / CD) herausgegeben. Und Martin Hauzenberger steuert in Heimoz’ neuem Album wunderschöne Klänge mit dem Emmentaler Hackbrett bei, dies im Lied «Schwyzer Puzzle», einer musikalischen Reise durch sämtliche Kantone. «Ich habe ja unterwegs zu meinen Konzerten manchen Ort und viele interessante Menschen kennengelernt, und so ist die Idee zu diesem Lied entstanden», erklärt Heimoz.

Das Stück «D Outo-Biografie» wiederum basiert auf einem Bonmot des Schriftstellers (und ehemaligen Nationalrats) François Loeb, mit dem Heimoz verschiedentlich aufgetreten ist. Es handelt sich freilich nicht um eine Autobiografie im üblichen Sinn, sondern um eine Aufzählung der diversen Karossen im Leben des Autors, vom Kinderwagen über die aktuelle Familienkutsche bis (in der leicht makabren Schlussstrophe) zum Leichenwagen. Ebenfalls auf der CD zu finden sind «Hugetobler» und «Dr Me», zwei Erfolgstitel aus früheren, mittlerweile vergriffenen Compact-Discs.

Auf der «Eselsbrügg» finden sich 16 gelungene Chansons, die frisch und ohne Pomp daherkommen, gemacht für aufmerksame Zuhörer und den Auftritt auf der kleinen Bühne. Die musikalische Palette ist breit und bunt, die Texte sind mal poetisch und verspielt, mal witzig und ironisch, mal doppelbödig und ein bisschen schräg. Untermalt werden die Lieder von Stefan Heimoz’ vorzüglichem Gitarrenspiel sowie von den Beiträgen der Gäste Philipp Furrer (Akkordeon, Slide-Gitarre), Florian Fettke (Piano, Gitarre, Bass) und Martin Hauzenberger (Hackbrett). Gesang, Text und instrumentale Begleitung ergeben zusammen ein stimmiges Ganzes. Stefan Heimoz’ Lieder sind «von Hand gemacht», wie der deutsche Chansonnier Reinhard Mey diese Art einmal genannt hat, sie stammen nicht aus dem Labor, sondern aus der Werkstatt und sind rundum authentisch.

Die CD «Eselsbrügg» erscheint beim renommierten «Narrenschiff»-Label und ist ab dem 5. Oktober erhältlich, z.B. in der Papeterie in Reichenbach, im Musikhaus Buchs (Frutigen) und bei «ZigZag» in Thun, zudem beim Liedermacher selber (musig@stefanheimoz.ch). Die CD-Taufe mit Bühnengästen wird am 14. November in der Mahogany Hall in Bern stattfinden.

«Aber hätti dr Chopf nie zum Fänschter use gha, de hätti nie vil gseh u wär dinne blybe sta, wüsst nid emal, was es dusse alls hätt gha.»

Aus dem Lied «D Büle» von Stefan Heimoz

Im Scheinwerferlicht erzählt Liedermacher Stefan Heimoz Geschichten, die er im Alltag aufgelesen hat.

BILD ZVG

SHARE Share Button Share Button SHARE